Insel der Glückseeligen - Mindestlohndebatte

13.04.2015
Wenn man deutschen Politikern zuhört, könnte man meinen, die Insel der Glückseeligen sei genau hier bei uns. Es ist doch schon sehr erstaunlich mit welcher Gleichgültigkeit und Ignoranz wirtschaftliche Realitäten übergangen werden. Zumindest trifft das immer dann zu, wenn die jeweilige Lobby, die dies verhindern könnte, zu schwach erscheint. Bei globalen Schwergewichten wie Schiffbau und Flugzeugbau macht man beide Augen zu, wenn es zum Beispiel darum geht, die Emissionen dieser immensen Gift- und CO2- Schleudern zu reduzieren. Aber auch nachhaltige Steuereinahmen und Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer auf Kreuzfahrtschiffen spielen keine Rolle, genauso wenig wie die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen, die an den Zieldestinationen der Ferienflieger arbeiten.

Umso mehr versucht man sich um die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu kümmern. Auch wenn das nötige Detailwissen häufig genug fehlt, so werden doch politische Leitsprüche schnell als unantastbar manifestiert. So muss es auch mit dem Mindestlohn gewesen sein, deren Forderung Andrea Nahles ja wohl auf den Ministersessel gebracht hat und den sie jetzt als Gegenleistung unters Volke gebracht hat. Die grundsätzliche Forderung nach einem Mindestlohn kann ich nur unterstützen. Dass man jetzt einen Mindestlohn installiert hat, der oberhalb der Grenzen von vielen gültigen Tarifverträgen liegt, ist allerdings ein Frontalangriff auf die Tarifautonomie in diesem Lande:

Arbeit muss sich lohnen und von seiner Arbeit muss man leben können.- Das stimmt! Und wenn ich sehe wie hart die Mitarbeiter im Romantik Hotel Jagdhaus Eiden arbeiten müssen, wären sicherlich 10 oder 15 oder besser noch 20 Euro Mindestlohn angemessen, und das für alle. Sicherlich wären wir auch in der Lage das für ein paar Monate zu zahlen, nur im Anschluss daran wären die Kassen leer und dies hätte zur Folge, dass keiner der Arbeitnehmer mehr von höheren Löhnen profitieren könnte, denn das Jagdhaus Eiden und somit ihr Arbeitsplatz würde nicht mehr existieren.

In der Realität wird in der Hotellerie nahezu durchgängig übertariflich entlohnt, bei zugegebenermaßen niedrigen Tarifen. Das größte Problem ist häufig nicht die Höhe des Lohnes, sondern überhaupt Mitarbeiter zu finden. Die Arbeitszeiten in der Hotellerie und die niedrigen Tarife haben allerdings den Vorteil, dass übertarifliche steuerfreie Zuschläge wie Nacht- und Sonntagszuschläge zusätzlich ausbezahlt werden können. So dass sich zusammen mit den Trinkgeldern meistens ein durchaus akzeptables Nettogehalt ergibt.

Dennoch ist mir bewusst, dass es auch in unserem Hause Mitarbeiter gibt, die sich dreimal überlegen müssen, wie sie ihr Haushaltsgeld einsetzen.

Und es gibt nach wie vor einige weinige, die unter 8,50€ verdienen. Oft ist es einem Arbeitnehmer aber lieber z.B. 8€ zu verdienen und dafür übertarifliche steuerfreie Zuschläge zu erhalten, was im Nachhinein zu einem höheren Netto führt als es der gesetzliche Mindestlohn bringen würde. Auch gibt es nicht zuletzt wegen des Fachkräftemangels eine steigende Anzahl von sogenannten 450-Euro-Kräften in unserem Hause, und dass sind zumeist Rentner. Wenn man mit zunehmendem Alter nicht mehr ganz so schnell arbeitet, ist das für den Arbeitgeber so lange kein Problem, wie er eine adäquate Bezahlung vornehmen kann. Ein hoher Mindestlohn wird vielen Rentnern den Zugang zum Arbeitsmarkt erschweren und somit für erhebliche finanzielle Einbußen sorgen. Ich glaube die Probleme und Nachteile die der gesetzliche Mindestlohn für viele Arbeitnehmer in der Praxis nach sich zieht, hat die Theoretiker im Arbeitsministerium nicht interessiert.

Übertariflich und freiwillige steuerfreie Zuschläge für Nachtarbeit, Sonntagsarbeit, Trinkgelder, Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld und sonstige Gratifikationen zählen nicht zum Mindestlohn von Frau Nahles. Aus diesem Grund werden viele Arbeitnehmer wohl zukünftig darauf verzichten müssen. Im Übrigen bleibt abzuwarten, wie die sich diese Maßnahme auf die gesamtwirtschaftliche Lage Deutschlands auswirkt. Denn der Mindestlohn betrifft alle Branchen. Sicherlich schafft er auch Kaufkraft, aber auch die Preise werden deswegen steigen. Und wenn es bei uns zu teuer wird, wendet man sich Produkten und Dienstleistungen aus dem Ausland zu, was hier sicher nicht zu mehr Beschäftigung führt. Wir leben eben nicht auf der Insel der Glückseeligen. Autor: Gerd zur Brügge

zurück