Besser können wir nicht, wo sind die Guten geblieben?

17.01.2016
Ich bin heute nach langer Zeit wieder einmal um das Zwischenahner Meer gelaufen. Das Laufen hat bei mir, wie bei vielen anderen Menschen auch, den Vorteil, dass man vom Alltag abschalten kann und man auch mal über andere Dinge nachdenkt. So war es auch heute morgen. Man kommt an dem einen oder anderen Schild vorbei, wo steht "zu vermieten" oder "zu verkaufen". Dabei habe ich Revue passieren lassen, was in den letzten 20 bis 30 Jahren alles so rund um den See passiert ist. Als ich vor 26 Jahren in den elterlichen Betrieb kam, war ich stolz auf das was meine Vorfahren erschaffen hatten, und ich dachte wir seien gut, alles sei gut.
Das hat sich schnell geändert. Wenn man 365 Tage im Jahr auf einem hart umkämpften Markt arbeitet, muss man ständig beobachten was die Mitbewerber machen, kritisch und selbstkritisch. Aber das war damals gar nicht so einfach. Es tauchten in der Nachwendezeit Mitbewerber auf, von denen man bis dato nichts gesehen oder gehört hatten. Die Banken unterstützten jede wohlklingende Idee. Da wurde auf einmal das beste Frühstück Deutschlands vom direkten Mitbewerber angeboten. Ein neu entstandenes Hotel hatte die besten Zimmer am Ort, so zumindest der Tenor derer die bei der Einweihung eingeladen war. Das Gefühl überrannt zu werden, hatte nicht wenige schlaflose Nächte zur Folge. Andere Kollegen expandierten so, dass sie uns in Zimmer- und Mitarbeiterzahl in kürzester Zeit überholten. Überall tauchten Gourmetrestaurants und Sterneköche auf und zeigten uns "wo es hin geht". Dabei hatten wir doch das einzige Sternerestaurant am Ort. Was hatten wir falsch gemacht, dass wir uns noch mit den Rückzahlung der Kredite für die letzten drei Umbauten beschäftigen mussten, anstatt uns auch der Zukunft zu widmen? Selbstzweifel sind sicher gut, aber nur bis zu einem gewissen Grade. Wir ließen die anderen vorbeiziehen. Und sie zogen wirklich vorbei, denn schon bald schlossen die ersten Luxusherbergen, wechselten die Besitzer oder gingen an die Bank zurück. Insider sprachen nicht mehr von der Höhe der Verschuldung dieser Unternehmen, sondern nur noch vom hinterlassenen "Flurschaden". Als der Schaden fast wieder vergessen war, kamen die nächsten "Investoren". In den Kreditabteilungen der Banken schlagen die Computer inzwischen Alarm wenn das Wort "Hotel" erwähnt wird. Es hat sich mittlerweile bei Investoren und Bankern herumgesprochen, dass es gescheitete Projekte wie Heiligendamm in fast jeder deutschen Stadt gibt. So wenden sich die neuen Investoren lieber der Gastronomie und sonstigen schönen Dingen zu. Das Ganze ging so weit, dass man sagte, es hinge im Rathaus eine Karte, wo die Hälfte des Ortes von den vermeintlichen Interessenten farblich markiert war. Diese Objekte sollten von finanzkräftigen Investoren übernommen werden. Wenn man Bekannte traf, war die erste Frage: "Waren Sie bei Dir auch schon"? Einige waren sicher froh, dass endlich jemand den alten Schrott kaufen wollten, andere fürchteten um ihr Hab und Gut und um den allmächtigen Mitbewerb. Aber auch diese Phase zerrann genauso schnell, wie sie kam. Da haben sich die im Umfeld der international tätigen Schifffahrtsbranche entstandenen Mitbewerber schon etwas länger gehalten. Leider war aber wohl auch hier, die durchaus anerkannte Qualität nicht selbsttragend sondern aus anderen Quellen querfinanziert. So dass sich auch hier die Wogen geglättet haben, d. h. der Mitbewerb hat größtenteils die Segel gestrichen, um im Sprachgebrauch dieser Branche zu bleiben. Wieder komme ich an leerstehenden Gebäuden vorbei. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt. Wir werden versuchen auch dem Druck neuer Herausforderungen zu widerstehen. Vielleicht kann man nicht immer der Beste sein, wenn man auf Beständigkeit setzt- leider. Autor: Gerd zur Brügge

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